Historische Mitte


Es ist einer der sensibelsten Orte in Köln. Hier, im langen Schatten des Domes, reiben sich Stadt und Kirche aneinander, nachbarschaftlich zwar, aber man muss sich in Planungsfragen mit einander und mit der vielschichtigen Historie arrangieren. Seit Jahren ist die Stadt bemüht die Domplatte-Kanten angemessen zu gestalten. Handlungsbedarf besteht nun dringlich an der Südkante der Domplatte, wo der von repräsentativen Bauten flankierte Roncalliplatz auf dem erhöhten Niveau an die tiefer gelegene kleinteilig rekonstruierte Altstadt grenzt. Eine städtebauliche Neuordnung soll hier über die Bebauung erfolgen. Profitieren wird dadurch insbesondere das aus Museum Ludwig, Römisch-Germanischem Museum (RGM) und Philharmonie gebildete kulturelle Zentrum. Genauso hatten es die Pläne für den Wiederaufbau nach dem Krieg bereits vorgesehen, doch die dort errichtete Stirnseite aus Kurienhaus und Studienhaus des Römisch-Germanischen Museums wird heutigen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Sie soll ersetzt und mit einem Neubau des Kölnischen Stadtmuseums ergänzt werden. Schnell sprach man hier einmal mehr von einem Jahrhundertprojekt, das die einzigartige Chance biete, Stadtgeschichte an einem so bedeutenden Ort zu präsentieren und gleichzeitig dem zum reinen Transitraum degradierten Roncalliplatz wieder Aufenthaltsqualitäten zu verleihen. In einem zweistufigen städtebaulichen Werkstattverfahren mit jeweils 13 Teilnehmern ließen Stadt und Kirche 2014 zunächst zwei grundsätzliche Fragen erörtern. Gezeigt haben die Studien, dass die Bebauung an der Südkante machbar und sinnvoll sei. Als Ergebnis erarbeitete die Jury zehn Leitlinien, die als Grundlage für ein weiteres, architektonisches Verfahren dienten. Ende 2016 wurde nun das Ergebnis des architektonischen Realisierungswettbewerbs „Historische Mitte Köln“ veröffentlicht, aus dem Volker Staab (Berlin) als 1. Preisträger hervorgegangen ist.
 

Entwurf von Volker Staab

Volker Staab hält, wie in den Leitlinien empfohlen und durch das Baufeld vorgegeben, die Verbindung zwischen Domplatte und Altstadt offen. Die für die drei Institutionen geforderten 12.335 Quadratmeter Nutzfläche verteilt er auf zwei Solitäre, einen kleineren als Studien- und Kurienhaus, einen größeren als Stadtmuseum, die mit dem zu sanierenden Bestand des Römisch-Germanischen Museum einen geschützten und mit Gastronomie und Exponaten bespielbaren, von der großen Platzfläche ausgehenden Vorplatz ausbilden. Von hier aus werden die Museen, ihre Büros und die Verwaltung der Kurie sowie die theologische Buchhandlung erschlossen, vor Kopf führt eine Treppe in der Achse der Römischen Hafenstraße hinunter zum Kurt-Hackenberg-Platz. Beide Neubauten wie auch der umstrukturierte Altbau zeigen Charakter und bilden eigene Adressen aus, dennoch funktionieren sie stadträumlich als ein Ganzes.

Das Kurien- und Studienhaus flankiert den Eintritt von der Altstadt auf die Domplatte, die Pläne zeigen einen schlanken Baukörper dessen aus scharf geschnittenen Betonfertigteilen hergestellte Rasterfassade Geschossigkeit und Funktionen ablesbar macht. Es ist ein Bürogebäude, obschon eines im höheren Dienst. Das neue Stadtmuseum wird genau an der Ecke der Domplatte platziert, der Sockel bietet allen Institutionen gemeinsam nutzbare Räume, sein zweigeschossiges und von zwei Seiten erschlossene Foyer vermittelt zwischen den Niveaus unten und oben, dabei bleibt die Grundrissorganisation flexibel und die Wegeführung klar im Sinne der Ausstellungskonzeption. Angesichts der „selbstbewusst besetzen Höhe der Gebäude forderte die Jury eine originäre Fassade mit einem gestalterisch verfeinerten Ausdruck“.
 


Planungsprozess

  • Zweistufige städtebauliche Planungswerkstatt 2014
  • Architektonischer Realisierungswettbewerb „Historische Mitte Köln“ 2016

Beteiligte Hohe Domkirche Köln, Kölnisches Stadtmuseum, Römisch-Germanisches Museum
Stadt Köln, Verfahrensmanagement: Freischlad + Holz Architekten (Darmstadt), Preisträger WB Staab Architekten GmbH (Berlin)