Parkstadt Süd

Der Innere Grüngürtel weist zwischen Uni-Campus und Rhein seit jeher eine große Lücke auf. Während der Stadterweiterung in den 1920er Jahren, als nach Planungen von Fritz Schumacher die Festungsringe geschleift und an ihrer Stelle Parks angelegt wurden, war die Industrialisierung in diesem Abschnitt schon zu weit fortgeschritten. Fast 100 Jahre später empfahl der städtebauliche Masterplan Innenstadt, den Lückenschluss als Chance für die städtebauliche Erweiterung der südlichen Innenstadt zu nutzen. Zwar liegen einige Bereiche des 115 Hektar großen Gebiets, das im Rahmen dieser Neuordnung zusammenfassend Parkstadt Süd genannt wird, tatsächlich brach, aber eben nicht alle. Etwa ein Drittel der Fläche nutzt derzeit der Großmarkt, doch er erfüllt seine Aufgabe an diesem Ort nur noch ungenügend und behindert darüber hinaus die Durchlässigkeit und Erschließung seines Umfeldes. Mit der Entscheidung des Stadtrates, den Großmarkt an den Stadtrand zu verlegen, bot sich auf der Basis des nachfolgend beschlossenen Entwicklungskonzepts Südliche Innenstadt-Erweiterung (ESIE) erstmals die Chance für eine städtebaulich-freiräumliche Neuordnung des Geländes zwischen Eifelwall und Rheinufer – ein Jahrhundertprojekt. Dieses ist die Stadt 2015 mit einem zehnmonatigen Kooperativen Verfahren angegangen, das die Parkstadt Süd zunächst zu einem Verhandlungsraum machte, in dem die lokalen Akteure und die fünf interdisziplinären Planungsteams zusammen gebracht wurden. Die Empfehlung des Begleitgremiums für den Entwurf von RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Ortner & Ortner, BSV und BCE erhielt breite Zustimmung. Dabei wurde jeder der fünf Entwürfe als ein wichtiger Beitrag in diesem Verfahren bewertet, von denen einzelne Aspekte sicher auch in die nachfolgende technischen Präzisierung, die als Grundlage für den Bebauungsplan dienen soll, Eingang finden werden.
 

Empfehlung des Begleitgremiums Parkstadt Süd

Weil zwei Halbe noch lange kein Ganzes ergeben, verzichtete das Planungsteam RMP Stephan Lenzen (Bonn) mit Ortner & Ortner Baukunst (Köln) und BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung, Dr. Reinhold Baier GmbH (Aachen) und BCE Björnsen Beratende Ingenieure (Köln) auf die Bebauung am Bahndamm und setzte sich damit über den Masterplan und das ESIE hinweg, worin eine breite, beidseitig von Bebauung flankierte und deutlich ablesbare Vollendung der Grüngürtels vorgegeben war. Dass dies zwar technisch möglich ist, die beiden Baufelder jedoch eigenständig nicht die Kraft besitzen, sich zu urbanen Quartieren zu entwickeln, ist eine Erkenntnis, die erst im Laufe des Verfahrens deutlich wurde. Mit ihrer zweizonigen Gliederung gewann das Team einen großzügigen Grünraum, der die historische Form des Rayons neu interpretiert und Enge wie Weite geschickt und variantenreich ausspielt und auch die mit dem Bahndamm angebotene dritte Dimension nutzt. Aus dem Gleichgewicht von Stadt und Park entsteht eine große Figur, die eine deutliche und unveränderliche Stadtkante bildet. Die neue Marktstadt schließt an die bestehende Bebauung am Rheinufer an und schiebt sich im Westen wie eine Halbinsel zwischen die als EcoPark erhaltene Raderberger Brache und die in der Verlängerung des Grüngürtels neu entstehenden Parks und Grünflächen. Rund um die denkmalgeschützte Markthalle entsteht durch das Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten, Bildung und Freizeit ein gemischtes Quartier in einer städtischen Dichte. Kleine Plätze und Pocketparks lockern das Gefüge auf. Die Markthalle selbst soll wie die beiden an ihren Längsseiten angelegten Plätze mit kleinteiligen quartierbezogeneNutzungen und größeren kulturellen Einrichtungen das Herzstück bilden. Als gelungen bewertete das Begleitgremium auch die Betonung der Stadtkante an der Bonner Straße, wo die Bebauung vor der Zäsur durch den Grüngürtel noch einmal zeichenhaft in die Höhe geht.
 

Parkstadt Süd – Teilbereich Eifelwall

Für den Abschnitt des Inneren Grüngürtels am Eifelwall lobte die Stadt 2017 einen freiraumplanerischen Wettbewerb aus, den Förder Landschaftsarchitekten aus Essen gewannen. Mit ihrem Konzept „Spiegel der Zeit“  soll der Park, der den Neubau des Historischen Archivs  flankiert, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft schlagen. Das vorgeschlagene Parkprogramm spiegelt die vielfältigen Bedürfnisse aller Altersstufen und Bevölkerungsgruppen wider und lässt aufgrund seiner weitläufigen Lichtungen viel Raum für Fantasie bei der Nutzungsaneignung. Neben diesen multikodierten Gemeinschaftsräumen sind vielfältige Spiel- und Sportnutzungen geplant.
 


Planungsprozess

  • 2007 Ratsbeschluss zur Verlagerung des Großmarktes
  • 2012 Beschluss des Entwicklungskonzepts südliche Innenstadt-Erweiterung (ESIE)
  • 2013 Ausweisung als Sanierungsgebiet
  • 2015 Kooperatives Entwicklungsverfahren Parkstadt Süd
  • 2017 Freiraumplanerischer Wettbewerb Teilbereich Eifelwall

Beteiligte
Planungsteam: RMP Stephan Lenzen (Bonn) mit Ortner & Ortner Baukunst (Köln) und BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung, Dr. Reinhold Baier GmbH (Aachen) und BCE Björnsen Beratende Ingenieure (Köln)
weitere Teilnehmer des Verfahrens: ASTOC Architects and Planners (Köln) in Zusammenarbeit mit GROSS.MAX. (Edinburgh) und AR-GUS Stadt- und Verkehrsplanung (Hamburg)
 AS+P, Albert Speer und Partner GmbH (Frankfurt am Main) mit KLA kiparlandschaftsarchitekten GmbH (Duisburg)
KCAP (Rotterdam/NL) mit Atelier Dreiseitl (Überlingen) und office03 Waldmann & Jungblut Architekten Partnerschaft mbB (Köln)
West 8 Urban Design & Landscape Architecture (Rotterdam/NL)
Moderation und Verfahrensmanagement: Urban Catalyst Studio, Prof. Klaus Overmeyer (Gesamtleitung (Berlin) mit neubighubacher  (Köln)
Lenkungsgruppe des städtebaulichen Masterplans
Innenstadt Köln, Stadt Köln
Förder Lanscshaftsarchitekten (Essen)